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Edition Spycher 2
Eine Laudatio ist immer Stellvertreter, insofern sie auf das, was sie preist, als auf etwas Abwesendes verweist. Sie bewegt sich also in einem prekären Zwischenreich: Funktional für einen bestimmten Anlaß, gewinnt sie doch erst Leben, wenn sie sich von diesem Anlaß löst. Und damit auch von ihrem Gegenstand. Und zwar nicht selten auf seine Kosten. Genau das ist ihr Wagnis und ihr Reiz. Der Spycher: Literaturpreises Leuk hat das große Glück, immer wieder derartige Kabinettstücke provoziert zu haben. Texte von solch eigener Dignität, daß die Entscheidung, sie in einen Band der Edition Spycher zusammenzufassen, weniger mit den Preisträgern zu tun hat, mit denen sie sich beschäftiten, als mit der Tatsache, daß sie selbst nicht wenig dazu beigetragen haben, aus Leuk einen Ort der Literatur zu machen.
Einen Ort in den Wolken, seitdem Andrea Köhler diese als Zeugen der ersten Preisträger herbeirief und als Aufgabe für die literarische Phantasie aller weiteren. Außer ihrer, der ersten Laudatorenstimme des Preises, versammelt dieser zweite Band der Edition Spycher diejenigen von Christian Döring, Michael Maar, Marion Graf, Roman Bucheli, Hubert Spiegel, Iso Camartin und Dieter Bingel. Sie alle sind zu jenen Wochenenden im Frühherbst, an denen traditionell die Preisverleihung stattfand, ins Wallis gereist und durch Leuk spaziert, haben vom Turm des Schlosses auf die Rhone hinabgesehen und sind bei einer Raclette und einem Wein mit den Literaturbegeisterten der Stiftung Schloß Leuk und des ganzen Städtchens ins Gespräch gekommen, denen der Spycher: Literaturpreises Leuk seine Existenz verdankt.
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